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Indiskret

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages W. Kohlhammer GmbH !


Indiskrete Fragen und “gut gemeinte” Ratschläge

Sie sollten sich von Anfang an Gedanken darüber machen, welche “Öffentlichkeitspolitik” Sie vertreten wollen. Das Gespräch miteinander spielt dabei eine entscheidende Rolle. Manchmal gibt es sehr unterschiedliche Bedürfnisse bei Mann und Frau. Dies hängt auch häufig davon ab, ob die Ursache der Fruchtbarkeitsstörung bekannt ist oder nicht. Männer haben in der Regel die größeren Schwierigkeiten damit, dass ihre Fruchtbarkeitsstörung bekannt wird. Frauen haben meist die größere Routine, über gynäkologische Fragen zu sprechen und nehmen insgesamt bereitwilliger die “Schuld” auf sich.

Wappnen Sie sich gegen indiskrete Fragen und sogenannte gutgemeinte Ratschläge. Beachten Sie dabei aber auch, dass Sie sich in einer äußerst sensiblen Phase befinden, die Sie verletzlicher als sonst macht. Oft sind die Äußerungen von Außenstehenden unbedacht und tatsächlich in bester Absicht gesagt. Reagieren Sie dann gekränkt oder gereizt, erscheint das als unangemessene Reaktion. Im Extremfall kann dies das Gefühl einer zunehmenden sozialen Isolation zu einer realen werden lassen. Gleichzeitig sollten Sie wissen, dass immer Situationen auftreten werden, mit denen Sie nicht rechnen können, die Sie in ihrem Innersten treffen und die Sie sprachlos machen. Ein perfektes Management der Kinderlosigkeit wird es nicht geben und dies soll durch diesen Ratgeber auch nicht vermittelt werden.

Die folgende Auflistung soll Ihnen ein paar Ideen bieten, wie Sie mit häufigen Aussagen umgehen können. Wesentlich ist jedoch, dass Sie ihren eigenen Umgang damit finden. Denn nicht alle Antworten, die Sie hier finden, sind für jedes Paar die richtigen. Sie sollen lediglich Anregungen für Ihre eigenen sein.



“Fahrt in Urlaub und entspannt euch! Ihr habt zu viel Stress, da will kein Kind sein.”

Dies ist der Spitzenreiter unserer Hitliste. Meist bekommen Paare diesen Ratschlag, wenn sie dies selbst schon zigmal ohne Erfolg ausprobiert haben. Außerdem enthält er eine paradoxe Aufforderung, denn niemand kann sich zwingen, sich zu entspannen. Schwierig ist er auch für Paare, bei denen eine eindeutige Diagnose vorliegt. Sofort geraten sie unter Zugzwang, zu entscheiden, ob sie diese Information preisgeben sollen oder nicht.

Folgende Antworten von Paaren haben sich bisher bewährt:

* “Wir werden uns anstrengen!”
* “Wenn nur in entspannten, stressfreien Situationen Kinder gezeugt werden würden, wäre die Menschheit am Aussterben.”



“Ihr müsst euch nur zur Adoption entschließen, dann wird es schon klappen.”

Auch wenn viele Ärzte von solchen Fällen berichten, so lässt sich dieser Effekt wissenschaftlich nicht belegen. Außerdem geht diese Aussage davon aus, dass alle Fälle ungewollter Kinderlosigkeit psychisch bedingt sind, was so nicht zutrifft. Also:

* “Das ist ein Mythos, der sich nur halten kann, weil einige Paare auch nach langer Zeit der Kinderlosigkeit plötzlich spontan schwanger werden. Mit und ohne Adoption. Falls dies mit einem Adoptionsantrag zusammenfällt, so ist das wahrscheinlich eher Zufall. Insgesamt suchen Menschen immer nach Erklärungen für Ereignisse, die nicht erklärbar sind.”



“Ihr wollt wohl auf euer angenehmes Leben nicht verzichten?

Diese Aussage ist meist besonders bitter, weil viele Paare erhebliche Anstrengungen zur Erfüllung ihres Kinderwunsches auf sich nehmen und liebend gerne auf vieles verzichten würden, wenn sie dafür ein Kind bekommen könnten. Mit dieser Aussage ist auch deshalb nicht so einfach umzugehen, weil sie genauso wie die nächste aus einem aggressiven Impuls heraus zu begründen ist.

In diesem Fall kann die Wahrheit sehr entwaffnend sein:

* “Wir würden liebend gerne auf einiges verzichten, wenn wir dadurch ein Kind bekommen würden.”

Auch hier hängt natürlich viel davon ab, wie ihre Beziehung zu der betreffenden Person ist. Deshalb kann es auch hilfreich sein, sich einfach schweigend abzuwenden. Dies trifft auch für die meisten anderen Aussagen zu. Die wenigsten Menschen geht ihre Familienplanung wirklich etwas an.



“Ihr entzieht euch eurer gesellschaftlichen Verantwortung.”

Antwort:

* “Das ist sicher ein gewichtiger Grund, um Kinder in die Welt zu setzen.”



“Vielleicht solltest du dir einen anderen Partner suchen?”

Das kann auch ein Schlag unter die Gürtellinie sein, denn es ist ein Angriff auf Ihre intimste Beziehung. Besonders dann, wenn Sie in dem Moment selbst stark an sich und ihrer Partnerschaft zweifeln. Oder wenn es tatsächlich so ist, dass Sie allem Anschein nach gesund sind und bei Ihrem Partner eine besonders schwerwiegende Diagnose festgestellt wurde. Hier ist es besonders wichtig, dass Sie in gutem Kontakt mit den positiven Seiten Ihrer Partnerschaft sind. Dann wird es Ihnen leicht fallen, selbstbewusst zu sagen:

* “Ich will aber keine(n) andere(n). Wenn es so sein soll, werden wir es gemeinsam schaffen, ohne Kind miteinander glücklich zu sein.”



“Es könnte sonst vielleicht ein behindertes Kind geben.”


Diese Aussage kann für Paare nach einer Fehlgeburt oder nach einer gescheiterten künstlichen Befruchtung tröstlich sein. Für andere kann es den eigenen Selbstwert noch mehr untergraben, da ihnen kein gesundes Kind zugetraut wird. In diesem Fall sollten Sie es auch so ausdrücken:

* “Das ist kein Trost für mich.”



“Ihr habt zu lange an euch gedacht, das kommt von zu viel Planung im Leben. Jetzt tickt eben die biologische Uhr immer schneller.”


Eine Variante dieser Aussage, dass man der Natur nicht ihren Lauf lässt, kommt sehr treffend in folgendem Dialog aus dem empfehlenswerten Roman “Ein Morgen am Meer” zum Ausdruck. Saras Schwiegermutter verkündet ihre Meinung in Bezug auf Saras Schwierigkeiten, schwanger zu werden:

” … wenn du doch bloß aufhören würdest zu arbeiten. Ich bin ganz sicher, dass du dann schwanger werden würdest. Es ist unnatürlich, dass eine Frau so hart arbeitet wie du. (… ) Es geht um deine Einstellung. Wofür dein Herz wirklich schlägt. Sara, um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher, ob du dir wirklich ein Baby wünschst. Ich fürchte, dass du dich im tiefsten Herzensgrund davor fürchtest, ein Kind zu bekommen, weil sich das mit deiner Arbeit, die in deinem Leben eine so große Rolle spielt, nicht vereinbaren ließe. ” (… )

“Ich kann dir nicht sagen, wie sehr ich mir ein Baby wünsche.” “Dann solltest du deine Arbeit aufgeben und dich wie eine richtige Ehefrau, wie eine richtige Frau verhalten” sagte Caroline. “Wenn du so weiterleben willst wie bisher, halb Frau, halb Mann, dann wirst du natürlich nie schwanger werden” (aus: Nancy Thayer: Ein Morgen am Meer. Econ & List 1990, S. 208 ff).

Dieser Dialog ist für Sara deshalb auch so niederschmetternd, weil er die vorab eigentlich gute Beziehung zu ihrer Schwiegermutter zerstört. Solche Aussagen implizieren nämlich eine gewisse Feindseligkeit, die jeden Menschen besonders trifft, wenn sie von einer Person gemacht werden, von der er/sie mehr Wohlwollen erwartet hätte. Auch dem Hinterfragen der Kinderwunschmotivation ist nur schwer zu begegnen.

* “Andere planen bzw. arbeiten auch und bekommen trotzdem ihre Kinder.”
* “Ich weiß durchaus, dass ich mit jedem Jahr, das ich älter werde, schlechtere Chancen habe, ein Kind zu bekommen. Aber wir hatten gute Gründe, uns erst mal verstärkt unserem Beruf zu widmen. Es ist ungerecht, dass dies Frauen immer vorgeworfen wird, obwohl heutzutage von jeder Frau erwartet wird, dass sie sich selbst ernähren kann.”



“Soll ich mal zu dir nach Hause kommen und nachhelfen? Da muss ein richtiger Mann ran.”

Männer müssen sich manchmal diese besonders kränkende Bemerkung von anderen Männern anhören. Böse Fragen verdienen eine böse Antwort:

* “Es wäre uns schon wichtig, ein einigermaßen intelligentes Kind mit Charakter zu bekommen.”



“Es liegt am Kopf. Ein Kinderwunsch sollte nicht so verbissen sein. Kinder kommen, wenn man nicht daran denkt!”

Diese Aussage ist in ihrer Pauschalität Unsinn! Wir wissen heute, dass in weit über 80 % der Fälle organische Ursachen einer Fruchtbarkeitsstörung zugrunde liegen, die in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden kann. Also, wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, ist ein wesentlicher Rat, möglichst nicht seinen Humor zu verlieren:

* “Oh, meine Mutter hat mir immer gesagt, dass es besonders verwerflich ist, Kinder gedankenlos in die Welt zu setzen. ”



“Seid doch froh, so bleiben euch auch viele Sorgen erspart.”

Eine gute Strategie ist es, dem “Ratgeber” erst mal Recht zu geben und dann aber deutlich die eigene Meinung zu vermitteln.

* “Das ist sicher richtig, auf der anderen Seite müssen wir aber auch auf viel Freude verzichten.”



“Wenn es unbedingt sein muss, könnt ihr ja auch ein Kind adoptieren. Es gibt so viele bedürftige Kinder auf der Welt.”

Adoption ist keine Alternative zum eigenen Kind! Adoption ist ein ganz eigener Weg der Familiengründung, der auch eine besondere Bereitschaft der Eltern für diese besondere Lebensaufgabe benötigt. Bei der Antwort auf diese Feststellung spielt natürlich ihre Einstellung zur Adoption eine entscheidende Rolle. Unangenehm ist sie, wenn für Sie eine Adoption nicht in Frage kommt und Sie gleichzeitig das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen.

Vorschlag:

* “Unser Wunsch ist ein gemeinsames Kind und bisher haben wir auch noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass es uns gelingen könnte.”



“Habt ihr keine Angst, dass eure Ehe wegen der Kinderlosigkeit zerbricht? Ohne Kinder fehlt doch das Gemeinsame in der Partnerschaft, das zusammenhält.”

Kinder sind oft eine starke Belastungsprobe für eine Ehe. Paare ohne Kinder können sich viel bewusster für ein gemeinsames Leben entscheiden, da sie sich nicht wegen Kindern aneinander gekettet fühlen.

* “Es scheitern mehr Ehen mit Kindern als Ehen ohne Kinder.”





"Tewes Wischmann/Heike Stammer, Der Traum vom eigenen Kind. Psychologische Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch. 3., aktualisierte Auflage 2006, S. 150-154. Copyright W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart. - Infos: www.kohlhammer.de